Lageplan
Schnitt
Eingangs-und Gartenebene
Gruppenebene

Heinz Schmidt-Rohr Haus

Die Lebenshilfe Wiesloch e.V. hat ihr Betreuungsangebot für behinderte Menschen in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Ein weiterer Baustein des umfassenden Betreuungskonzepts ist der Neubau eines Wohnheims für 32 geistig und körperlich behinderte Menschen.

 Das Grundstück der Lebenshilfe befindet sich am nördlichen Ortsrand der Stadt Wiesloch, in Fußwegeentfernung zu den Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe.

Es weist von Ost nach West eine Höhendifferenz von ca. 3.5 m auf und wird von der  "alten Heerstraße" über eine Zufahrt mit öffentlicher Parkierung erschlossen.

Die L-förmige Anordnung der um ein Halbgeschoss versetzten Baukörperflügel folgt dem natürlichen Geländeverlauf und definiert den befestigten Vorplatz.

Die Einrichtung erhält so mit einfachen Mitteln ein kleines Entree als Verbindung zu seiner Umgebung. Gliederung und Lage der Baukörper ordnen das Bauvolumen in den Maßstab der sie umgebenden Wohnbebauung.

Das Wohnheim integriert sich baulich und ist selbstbewusst Teil seiner Nachbarschaft. Die Architektur spiegelt damit das Selbstverständnis seiner Nutzer.

Das Programm  gliedert sich im Wesentlichen in drei Bereiche:

- die der gesamten Hausgemeinschaft dienenden Flächen der Verwaltung mit Foyer und Mehrzweckraum sowie den Serviceräumen

- die Gemeinschaftsbereiche der einzelnen Gruppen

- und die Individualräume.

 

Die Verwaltung liegt in zentraler Lage im Eingangsgeschoss, aber am Rand von Vorplatz und Eingang. Auf dem Weg zu den Gruppen ist sie gut auffindbar, ohne als Durchgangszone, die Atmosphäre des Hauses zu prägen.

Zentraler Anlaufpunkt ist der Tag- und Nachtdienstraum. Unmittelbar anschließend befinden sich Foyer und Mehrzweckraum. Die angrenzende, natürlich belichtete Erschließung der Büros und der zentralen Küche ist ausreichend dimensioniert, um zentrale Funktionen wie Kopierer, Materialschränke, Archiv etc. aufzunehmen. Die Nutzflächen der Büroräume sind entsprechend entlastet. 

Die Wohngruppen werden von der Verwaltung unabhängig durch eine lichte Treppenanlage mit kleinen Vorflächen zum "Nachbarschaftsplausch" erreicht. Jede Gruppe besitzt ihren eigenen Treppenabsatz. Das Konzept orientiert sich an der  "normalen" Wohnsituation eines Geschosswohnungsbaus nicht an der eines Heims.

Die Eingänge der einzelnen Gruppen münden in das "Herz" der jeweiligen Gruppengemeinschaft, in den Essplatz. Er orientiert sich zur Terrasse und geht in den durch einen Versatz räumlich separierten Wohnraum über.

Eingang und Essplatz unmittelbar zugeordnet sind Gruppenleiterraum und Küche / Hauswirtschaft.

Jede Gruppe erhält eine eigene kräftige Farbe. Sie findet sich auf Türen, Fensterflügeln und Böden und erleichtert den Bewohnern die (selbstständige) Orientierung in ihrem Haus.

Die einzelnen Zimmer legen sich um eine natürlich belichtete Erschließungsfläche. Die freie Lage des Sanitärkerns schließt Störungen durch Übertragung von Installationsgeräuschen in angrenzende Zimmer aus.

Die Zimmer besitzen „französische“ Fenster. Ein schmaler Flügel kann von allen Bewohnern selbstständig bedient werden, die Bedienung des breiten Flügels bleibt denen vorbehalten, die durch die Höhe nicht gefährdet werden.

Die Realisierung des Projekts stellte angesichts der verhältnismäßig aufwendigen Technik (Sanitär-Installation aller Bewohnerzimmer) und des knappen Förderrahmens (320 EUR / m3 KGR 300+400) hohe Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit.

Die dichte Organisation der Gruppengrundrisse vermeidet lange stringente Flure und führt zu kompakten Baukörpern mit einem günstigen Hüllflächenverhältnis.

Der erzielte Verkehrsflächenanteil zur Nettogrundfläche von ca. 19% liegt ebenfalls im vergleichsweise günstigen Bereich.

Die Grundrissorganisation ermöglicht die konsequente Durchgängigkeit der Statischen Achsen und die Bündelung der Installationsstränge.

Einfache Pultdächer, als Kaltdächer konzipiert, bündeln die Dachentwässerung. Regenwasser kann durch Oberflächenentwässerung auf dem Grundstück versickert werden.

Im Gartengeschoss entstand ein vielfältig nutzbarer überdachter Freibereich, der auch als Erweiterungsoption mit guter Belichtung, Belüftung und Anbindung im Haus ein wesentlicher Beitrag zur Variabilität und damit zum langfristigen Nutzwert des Gebäudes darstellt. Für die Lebenshilfe, die das Wohnheim als Keimzelle und Zentrale eines zukünftigen Wohnverbundsystems sieht, war dies ein wesentlicher Aspekt.

Das Gebäude konnte im Niedrigenergiestandard realisiert werden. 

Heinz Schmidt-Rohr Haus

Aufgabe:              
Neubau eines Wohnheims für körperlich behinderte Menschen mit 32 Plätzen

Auftraggeber:
Lebenshilfe Wiesloch e.V

Bauzeit:
Bezug 2003

Planung:               
Jöllenbeck & Wolf Architekten BDA
Planung Leistungsphasen 1-9
Mitarbeit:     
Jutta Leinemann

Tragwerksplanung:  
Gruninger und Schrüfer

HLS – Ingenieur :    
Scholze Ingenieure

Elektroingenieur :    
sbi Schneider beratende Ingenieure

Freianlagen:          
Michael Palm

Fotografien:           
Karl Ackermann

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